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Passiv-Aktiv-Transfer

PAT-Modell bietet Chance für Langzeitarbeitslose
Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs stagniert die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen in Deutschland seit Jahren auf hohem Niveau. Um diesen Menschen wieder den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen, hat das Diakonische Werk den Passiv-Aktiv-Transfer (kurz PAT) entwickelt, den Klaus Kittler, Referent für Arbeitslosenhilfe im Diakonischen Werk Württemberg, im Kulturwerk vorgestellte.
Ziel des PAT ist es, Arbeit zu finanzieren und nicht Arbeitslosigkeit. Statt langzeitarbeitslose Menschen zu alimentieren, fasst man alle finanziellen Leistungen, die für sie gezahlt werden, zusammen und schafft damit eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das Modell wird inzwischen im Bundesrat diskutiert und vom Deutschen Städtetag unterstützt.

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Konzept und Finanzierung des Passiv-Aktiv-Transfers

Das Finanzierungsmodell geht von einem Bruttolohn von 1.352 Euro pro Monat bei 169 Arbeitsstunden aus. Das ergibt einen Nettolohn von 1.021,39 Euro. Rechnet man den Sozialversicherungsanteil des Arbeitgebers und die Kosten für die Unfallversicherung hinzu, ergibt sich ein Gesamtbetrag von 1.615,44 Euro.

Für die Realisierung des PAT muss an drei Stellschrauben gedreht werden:

Stellschraube 1
Bei Aufnahme einer versicherungspflichtigen Arbeit entfallen das Arbeitslosengeld II, die Ausgaben für die Sozialversicherung im Hartz-IV-Bezug und die Unterkunftskosten. Legt man für die Unterkunftskosten, die je nach Wohnort verschieden sind, einen Durchschnittswert von 350,- Euro zugrunde, ergibt sich der Betrag von 873,38 Euro. Dieser wird zur Finanzierung des Passiv-Aktiv-Transfers eingesetzt.
Stellschraube 2
Aus dem Eingliederungstitel werden weitere 393,- Euro pro Monat zur Verfügung gestellt.
Stellschraube 3
Zusätzlich muss ein Arbeitnehmer / eine Arbeitnehmerin im PAT den Betrag von 349,06 Euro pro Monat am Markt erwirtschaften. Dazu brauchen gemeinnützige Beschäftigungsunternehmen den Status marktorientierter Firmen. Sie müssen dafür den Integrationsprojekten zur Beschäftigung Schwerbehinderter gleichgestellt werden, die diesen Status bereits haben.

Die Folgen der Langzeitarbeitslosigkeit

Langzeitarbeitslosigkeit, so Kittler, bringe Folgeprobleme mit sich und verursache zudem auch den Krankenkassen und der Gesellschaft höhere Kosten. Wer ohne Beschäftigung ist, ist nachweislich öfters krank, es besteht die Gefahr, dass Arbeitslosigkeit zu Sucht, Kriminalität oder Obdachlosigkeit führt. Der PAT nutzt deswegen nicht nur den Betroffenen selbst, sondern der ganzen Gesellschaft.

Kittler wies darauf hin, dass in Baden Württemberg etwa 64 000 Menschen langzeitarbeitslos sind. Das sind mindestens 31 Prozent der Arbeitslosen. 35 Prozent aller arbeitslosen Menschen sind 50 Jahre und älter, 8 Prozent sind schwerbehindert und 25 Prozent Ausländer. Langzeitarbeitslose Menschen haben es besonders schwer, da sie oft auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mithalten können. Sie haben zum Beispiel gesundheitliche Einschränkungen, gelten als zu alt oder haben keine qualifizierte Ausbildung.

Organisiert wurde die Veranstaltung von der Denkfabrik für langzeitarbeitslose Menschen, einem Projekt der Neuen Arbeit. Zur Veranstaltung kamen auch mehrere Gemeinderäte und andere Vertreter der Politik. Die Gäste begrüßten das vorliegende Modell als schlüssig und intelligent und nahmen mit großem Interesse an der anschließenden Diskussion teil.

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